Titus Meier im Interview

«Diese Stadt ist eine Perle, 
die auch in Zukunft glänzen soll»

Titus Meier, 36, bewirbt sich als Stadtammann von Brugg. Im Interview* sagt er, welche Qualifikationen er mitbringt, wo er Akzente setzt und ob er einst im Amt pensioniert werden möchte.

Titus Meier, im Städteranking der Zeitschrift «Bilanz» liegt Brugg unter den Aargauer Städten hinter Aarau, Baden und Lenzburg auf dem vierten Platz, gesamtschweizerisch reichts für einen Rang im ersten Drittel. Finden Sie das zufriedenstellend?

Es ist im Wettbewerb der Standorte wie im Sport: Wer nicht den Willen hat, der Beste zu sein, kommt nirgends hin. Als Brugg nach der Fusion mit Umiken erstmals ins Ranking aufgenommen wurde, schafften wir es knapp unter die ersten hundert von 162 Städten, heute stehen wir auf Rang 47. Der Trend zeigt in die richtige Richtung. Ich sehe Brugg als attraktive Stadt mit guten Anlagen, noch besser zu werden. Als Perle, die man noch stärker zum Glänzen bringen kann.

Manche sagen, Sie hätten sich schon als junger Mann das Ziel gesetzt, einmal Stadtammann zu werden. Stimmt das?

Ich habe als Jugendlicher mein Faible für die Politik entdeckt. Deshalb suchte ich schon früh politische Ämter, um Wissen und Erfahrungen zu sammeln. Der Wunsch, sich als Stadtammann für Brugg einzusetzen und die gemachten Erfahrungen in dieser Position zu nutzen, hat sich mit der Zeit ergeben. Und als dann Daniel Moser seinen Rücktritt bekannt gab, fühlte ich mich reif für dieses Amt. Die FDP Brugg hat diese Auffassung geteilt und einen klaren Nominationsentscheid gefasst.

Welche Erfahrungen bringen Sie mit?

Zum einen Führungserfahrungen in der Partei – auf städtischer, Bezirks- und Kantonsebene – sowie als Kompaniekommandant, dazu die Erfahrungen in politischen Gremien wie in der Brugger Schulpflege, im Einwohnerrat und in der Finanzkommission. In den vergangenen acht Jahren konnte ich mich überdies als Grossrat in die kantonalen Dossiers einarbeiten. Und die unternehmerische Sichtweise habe ich in Mandaten als Verwaltungs- und Stiftungsrat kennengelernt.

Da fehlt jetzt halt die breite Erfahrung in der Unternehmensführung. Manche wünschten sich als Ammann einen in der freien Wirtschaft abgehärteten Stadtmanager, der auch die Verwaltung mal tüchtig aufmischt.

Ich finde es wenig hilfreich, eine Stadtverwaltung mit rein privatwirtschaftlichen Ellen zu messen. Schliesslich ist sie eine Dienstleisterin mit öffentlichem Auftrag, der ihr von Gesetzen und Reglementen diktiert wird. Aber natürlich muss sie professionell und effizient organisiert sein. Wichtig ist die Grundhaltung: Ermöglichen und unterstützen, nicht verwalten und kontrollieren. Die örtliche Zusammenfassung der städtischen Verwaltungsabteilungen wird in naher Zukunft Gelegenheit bieten, die Strukturen und Abläufe zu überprüfen. Sicher wird dabei ein Stadtbüro als zentrale Anlaufstelle zu schaffen sein, um für alle einen einfachen und kundenfreundlichen Zugang zu den gewünschten Leistungen zu ermöglichen. Ausserdem sehe ich Verbesserungsbedarf in der Behördenkommunikation.

Was heisst das?

Unsere Verwaltung arbeitet solide und korrekt, ist aber über das amtlich Notwendige hinaus nicht sonderlich mitteilsam. Kommunikation jedoch schafft Transparenz und Vertrauen. Hier muss Brugg einen Zacken zulegen – dazu habe ich übrigens bereits als Einwohnerrat ein Postulat eingereicht, das bis heute unerledigt geblieben ist.

Eins der akuten Probleme der Stadt Brugg heisst Verkehr …

In der Tat, hier ist der Handlungsbedarf gross. Zumal wir davon ausgehen müssen, dass der Verkehr weiter zunehmen wird. Auf jeden Fall ist an alle Verkehrsteilnehmer zu denken. Es braucht also durchgängige Velorouten ins Stadtzentrum und genügend Parkierungsmöglichkeiten. Fussgänger wünschen hindernisfreie Wege. Die öffentlichen Busse müssen die fahrplanmässigen Anschlüsse an die Bahn gewährleisten können, dazu braucht es Pförtner-anlagen und separate Busspuren.

Und wie lässt sich die Situation beim Autoverkehr verbessern?

Unbedingt müssen der Stadtteil Lauffohr und das Zentrum entlastet werden. Dazu bestehen im Rahmen der Ostaargauer Strassenentwicklung (OASE) Pläne zu einer neuen Verbindung vom unteren Aaretal ins Birrfeld. Zur Schonung der Siedlung und des Naherholungsgebiets Geissenschachen hat die Linienführung unterirdisch zu erfolgen.

Ein Dauerthema in Brugg ist die Situation des Detailhandels. Was kann die Politik ausrichten, um das Ladensterben zu stoppen?

Zuerst, was sie nicht kann: den Online-Handel abstellen, mit Steuergeldern ertragsschwache Firmen unterstützen oder Immobilienbesitzer dazu zwingen, tiefere Ladenmieten zu verlangen. Gefordert ist die Stadt aber darin, ihr Zentrum attraktiv zu gestalten. Da sehe ich noch grosse Möglichkeiten, vor allem die Aufwertung des Neumarktplatzes und die Verbesserung der Verbindung zwischen Campus und Neumarkt. Wenn die unterirdische Verbindung nicht realisierbar scheint, könnte man ja eine Überführung prüfen. Generell sollten publikumsintensive Angebote auf der Flaniermeile zwischen Altstadt und Campus konzentriert werden, das ist die Kernzone des «geschäftigen» Alltags in Brugg.

Die Stadt Brugg hat noch immer ein schönes Vermögen, aber auch ein strukturelles Defizit: Aus der betrieblichen Rechnung entsteht jedes Jahr ein Defizit, das aus Finanzerträgen gedeckt werden muss. Ist das nur ein Schönheitsfehler oder ein Mangel, der zu beheben ist?

Kurzfristig korrigieren könnte man das strukturelle Defizit – wir reden von fast 10% des Jahresaufwands – nur durch eine Steuererhöhung, denn wegsparen liesse sich diese Summe nicht ohne einen Leistungsabbau, der alle treffen würde. Aber eine Steuererhöhung würden die Bürgerinnen und Bürger angesichts des immer noch hohen Stadtvermögens mit Recht nicht goutieren. Wir müssen also daran arbeiten, das Steuersubstrat der Stadt zu verbessern, vor allem über den Zuzug von Unternehmen. Unter diesem Blickwinkel ist die laufende Revision der Bau- und Nutzungsordnung zu überprüfen und allenfalls anzupassen. Sicher müssen wir auch alle Ausgabenposten der Stadt regelmässig prüfen. Und kostenintensive Projekte sollten wir in Varianten planen, um optimale Grundlagen für Entscheide zu schaffen, die finanziell eine grosse Tragweite haben.

Sie sind 2016 mit einem Glanzresultat als Grossrat wiedergewählt worden. Würden Sie als Stadtammann dieses Engagement aufgeben?

Ich würde Grossrat bleiben und sehe darin nur Vorteile. Im Kantons-parlament kann ich mich für Stadt und Region Brugg einsetzen, zum Beispiel, wenn es um Standortentscheide geht oder um die Verteilung finanzieller Lasten. Zudem erhalte ich als Grossrat viele Informationen früher und kann besser Einfluss nehmen. Im Grossrat sind etliche Stadtammänner aktiv, dieses Netzwerk lässt sich nutzen. Und schliesslich ist der Zeitaufwand überschaubar, da ich als Stadtammann viele Vorlagen, die von Aarau kommen, sowieso studieren müsste.

In Solothurn wurde Kurt Fluri mit 38 Jahren Stadtammann. Heute ist er 62 und liess sich kürzlich zum siebten Mal im Amt bestätigen. Schwebt auch Ihnen vor, im Amt einst pensioniert zu werden?

Das habe ich nicht vor. Vorausgesetzt, die Wählerinnen und Wähler zeigen sich mit meiner Amtsführung zufrieden, scheint mir, drei Legislaturen, also 12 Amtsjahre, seien eine gute Frist, um einiges zu bewegen. In dieser Zeit lassen sich auch grössere Brocken anpacken.

Nach zwölf Jahren wären Sie dann fast 50-jährig. Man hört doch immer wieder, wie schwer in diesem Alter die Jobsuche werden kann.

Da mache ich mir keine Sorgen. Ich bin ausgebildeter Gymnasiallehrer und könnte als freier Historiker arbeiten. Hinzu kommt, dass meine Frau Helena Juristin mit Anwaltspatent ist – sie stellt im Moment ihre beruflichen Pläne zurück. Ich sehe genug Optionen.

 

*s. Wahlzeitung „Wahlen 2017, FDP Brugg“, September 2017

Teilen:
Titus Meier

Titus Meier

Historiker und Lehrer, seit 2001 politisch aktiv in der FDP. Einwohnerrat der Stadt Brugg, Grossrat des Kantons Aargau.

Schreibe einen Kommentar